Zum Gedenken an Peter Kasper-Brasser + Landammann, Gemeindepräsident, Grossrat und Parteipräsident

Mit dem Tod von Peter Kasper-Brasser (1931 - 2013) hat ein Leben voller Arbeit und Bescheidenheit seine Vollendung gefunden. Der verstorbene Prättigauer Bauer ist eine der Persönlichkeiten, die mit ihrer Arbeit und ihrem politischen Engagement unsere Täler und unsern Kanton während Generationen geprägt haben.
 

Was zu seiner Zeit in unseren Dörfern eine Selbstverständlichkeit war - dass sich qualifizierte Leute der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben (gegen geringes Entgelt) - ist heute (bedauerlicherweise) je länger desto mehr eine Ausnahme.

Peter Kasper gehörte von 1961 bis 1967 dem Grossen Rat an. Der Buchner Bauer mit einem Handelsdiplom war bei seiner Wahl erst 30-jährig und somit der jüngste Grossrat. Er war auch bezüglich seiner Parteizugehörigkeit sozusagen ein Sonderfall, gehörten die meisten der Prättigauer Bauern damals zu den Demokraten, der späteren SVP und noch späteren BDP an. Peter Kasper war ein überzeugter Freisinniger. Da sich die Freisinnigen im Kreis Luzein mit den Demokraten abgesprochen hatten, das Grossratsmandat nach zwei Amtsperioden freiwillig der andern Partei zu überlassen, trat Kasper dann nach sechs Jahren zurück. Sechs Jahre später wurde er dann wieder gewählt, sodass er bis ins Jahr 1979 dem Grossen Rat angehörte.

 

FDP-Präsident

Von 1968 bis 1974 betraute in die Bündner FDP mit dem Parteipräsidium, der wohl anspruchvollsten Aufgabe. Sein Fazit: "Als Parteipräsident kann man es nie allen recht machen."
Anspruchsvoll war sie nicht zuletzt deshalb, weil sich der Bündner Freisinn infolge des überstützten Rücktritts des damaligen Regierungsrates Heinrich Ludwig in einer (gelinde gesagt) prekären Situation befand. Auf Ludwig folgte dann nach einem heftigen Wahlkampf der Filisurer Gärtnermeister Jakob Schutz, der dieser Tage seinen 95. Geburtstag feiern kann. Peter Kasper, Regierungsrat Jakob Schutz, der Davoser Landammann Christian Jost und Nationalrat Josias Grass waren damals die Aushängeschilder der Bündner Freisinnigen.


Eine Pioniertat

Eine Aufgabe, die für Peter Kasper eine Herzensangelegenheit war, war das Gemeindepräsidium von Luzein. Das bestätigt ein Blick in seine Aufzeichnungen, in denen er sein politisches Engagement Revue passieren lässt. In der Gemeinde hat Peter Kasper mit der Aufhebung der Fraktionsschulen und dem Neubau des Zentralschulhauses ein Zeichen gesetzt. Gemäss seinen Aufzeichnungen wurde der Baubeschluss für das Zentralschulhaus in Pany am 16. Januar 1966 an der Gemeindeversammlung in der Kirche in Luzein gefällt mit 44: 14 Stimmen gefällt. Ein Rückweisungsantrag, mit der Begründung das Bauvorhaben könnte die Gemeinde ruinieren, wurde abgelehnt. Dann reichten die Gegner einen Wiedererwägungsantrag ein. Am 27. März kam es im Schulhaus Buchen zu einer weiteren Abstimmung, an der 186 Stimmbürger teilnahmen. Ein Gutachten, das der Gemeindepräsident Peter Kasper dem Churer Treuhänder Peter von Rechenberg in Auftrag geben hatte, bestätigte die Tragbarkeit des Zentralschulhausprojektes und nahm den Gegnern den Wind aus den Segeln. 35 Stimmbürger sprachen sich für und 105 gegen eine Wiedererwägung aus. Sein Grossratskollege, der spätere Regierungsrat Tobias Kuoni, gratulierte Peter Kasper zu seinem Erfolg: "Es ist eine riesige Leistung von dir, ein so fortschrittliches Projekt in Luzein durchgebracht zu haben." Es war - und darauf war Peter Kasper zeit seines Lebens stolz - das erste Schulprojekt in dieser Form im Kanton Graubünden.


Ein Familienbetrieb

Freude bereitete Peter Kasper, der infolge eines Unfalls während zwei Jahrzehnten körperlich behindert war - das politische Geschehen im Prättigau und im ganzen Kanton mit grossem Engagement mitverfolgte - dass sein Sohn Christian mit der Wahl in den Grossen Rat und zum Gemeindepräsidenten von Luzein in seine Fussstapfen getreten war. Dass sich der Verstorbene während Jahrzehnten für die Öffentlichkeit einsetzten und engagieren konnte, war nur möglich, weil seine Familie, seine Frau Milly und seine zwei Töchter und zwei Söhne hinter ihm gestanden sind.